The Second Machine Age

 

Die industrielle Revolution wurde durch die Dampfkraft in Gang gesetzt, sie half der Menschheit die Limitierung durch Muskelkraft zu überwinden und schaffte so die Grundlage für das erste Maschinen Zeitalter.

Aktuell leben wir in Mitten des zweiten Maschinenzeitalters, angetrieben vom dem Moore´s Gesetzt (Die Verdopplung der Rechenleistung alle 18 Monate) und anderen digitalen Innovationen im Bereich der Übertragungstechnik.

Erik Brynjolfsson und Andrew Mcaffe schildern Eindrucksvoll und Detailreich wie fundamental diese Änderungen sind und dass der sehr häufig Inflationär benutzte begriff digitale Revolution durchaus zutreffend ist.


Drei wesentliche Feststellungen:

  1. Wir leben in Zeiten eindrucksvollen Fortschritts digitaler Technologien. Diese Technologien sind nicht neu, so kürte bereits die Times 1982 den PC zur Maschine des Jahres. Bei der Dampfmaschine brauchte es eine Generation, an Innovation und Optimierungen bis sie ihre volle Kraft entfalten konnte und somit zum Auslöser der Industriellen Revolution wurde. Hier sehen Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee eine Parallele zur Gegenwart und zeigen auf das sich die ganze Leistungsfähigkeit der Digitalisierung sich erst jetzt entfaltet. Und daher argumentieren sie das wir gerade am Übergang in das Zweite Maschinenzeitalter sind.
  2. Die Digitalisierung ermöglicht technischen Fortschritt und dieser verbessert die Welt sowohl qualitativ als auch quantitativ. Eine bessere und größere Auswahl an Produkten und Dienstleistungen, viele werden digital bereitgestellt und somit sehr günstig ständig verfügbar sein.
  3. Die dritte Schlussfolgerung ist nicht optimistisch, sondern eine enorme Herausforderung: Für Arbeitskräfte mit spezifischen Kompetenzen oder Ausbildung, sind die Aussichten unglaublich gut. Menschen mit gewöhnlichen Kompetenzen und Fähigkeiten stehen unsichere und schwierige Zeiten bevor, Roboter und Computer lernen diese Fähigkeiten in einem unglaublichen Tempo und werden Menschen aus ihren Berufen verdrängen.

Übersicht:

Im Weiteren gliedert sich das Buch in drei Teile, der erste Teil (Kapitel 1-6) handelt von den grundlegenden Merkmalen des zweiten Maschinenzeitalters. An Hand von zahlreichen Beispielen wird veranschaulicht, welche bahnbrechenden Entwicklungen sich in jüngster Vergangenheit vollzogen haben. Und die Autoren schildern warum sie glauben, dass Innovationen bei Computer und Robotern an Ausmaß und Geschwindigkeit noch zunehmen werden.

Im Zweiten Teil (Kapitel 7-11) geht es um das Wohlstandsgefälle und die wirtschaftlichen Folgen des Fortschritts. Es wird beschrieben warum die wachsende Kluft bei Vermögen und Einkommen im Digitalzeitalter noch weiter zunehmen wird.

Im dritten Teil (Kapitel 12-15) werden Interventionsmöglichkeiten aufgezeigt um die negativen Effekte (Wohlstandsgefälle und Massenarbeitslosigkeit) zu mindern.

Einige Kernaspekte des Buches

Das Moore´sche Gesetz und die zweite Hälfte des Schachbretts

Kernaussage des Moore´schen Gesetzes ist, das sich die Rechenleistung integrierter Schaltungen, die für einen Dollar zu erwerben ist, sich jedes Jahr verdoppelt. Gordon Moore machte diese Entdeckung 1965 und prognostizierte das diese Entwicklung wahrscheinlich noch 10 Jahre so anhalten würde. 1975 musste er zwar eine kleine Korrektur vornehmen, denn aus 12 Monaten sind 18 Monate geworden, auf der anderen Seite erwies sich diese Prognose über 4 Jahrzehnte als bemerkenswert stabil.

Verwoben wird diese technische Entwicklung mit der Legende vom Schachspiel Erfinder, der als Belohnung folgendes vorschlug. Auf das erste Feld des Spielbretts 1 Reiskorn zu legen, auf das zweite Feld 2 Reiskörner und auf das dritte Feld 4 Reiskörnen und diese Verdopplung bis zum letzten Feld fortzuführen. Nach der Hälfte (32 Feldern) ist man bei einer Summe von 8 Milliarden Körnern, das ist ohne Frage schon eine große Zahl aber noch in einer Dimension, mit der viele von uns noch umgehen können. Auf der zweiten Hälfte des Schachbretts geht es dann jedoch um Dimensionen die für die meisten von uns nicht mehr vorstellbar sind. Genau genommen Billionen Billiarden und Trillionen sind Größen die das Begriffsvermögen der meisten von uns übersteigen dürften.

Angenommen das Schachbrett des integrierten Schaltkreises hat 1958 begonnen, dann wurde 2006 die zweite Hälfte erreicht. ERIK BRYNJOLFSSON    und ANDREW MCAFEE weisen ausdrücklich darauf hin das diese Metapher nur ein abstraktes Gedankenspiel ist. Auf der anderen Seite sollten wir uns nicht wundern oder zu überrascht sein, wenn es in den kommenden Jahrzehnten in dem ein oder anderen Bereich gigantische technologische Verbesserungen gibt, die unsere heutige Vorstellung übersteigen.

Neu und angesagt

„Sag mal kennst du eigentlich schon …“ So oder ähnlich beginnen oft Sätze, wenn uns Freunde, Kollegen oder Verwandte auf etwas aufregendes und angesagtes Neues aufmerksam machen wollen. Nur hat sich in den vergangenen Jahren ein enormer Wandel, bezüglich des „Neuen“ vollzogen. Waren es früher Alben, Bands, Bar oder Clubs. Sind es heute sehr häufig App´s, Smartphones oder Webseiten. Eine dieser neuen coolen Apps welche den Autoren empfohlen wurde war die Navigation App Waze. Der Grund warum die meisten Leser vermutlich noch nie von WAZE gehört haben, ist das die Firma 2013 von Google übernommen wurde. Es war zur damaligen Zeit wohl eine der führenden Apps, welche die aktuelle Verkehrssituation, bei der Berechnung der Route berücksichtige. Das was z.B. Google Maps nun schon einige Jahre auch kann. Das Beispiel WAZE dient den Autoren als Blaupause um ein bestimmtes Muster an Innovationen zu veranschaulichen, Waze ist eine neue Kombination aus Standortsensoren, Datenübertragungstechnik“ (in Form eines Smartphones), Navigationssystem und sozialem Netzwerk. Keine dieser Technologien wurde von Waze erfunden. Es hat sie lediglich neu kombiniert. Die Erfindung liegt in dem neuartigen kombinieren vorhandener Technologien. Dieses Muster, der Kombination vorhandener Technologien ist sehr typische für viele Erfindungen die die Grundlage des Digitalzeitalter bilden.

Ein weiterer Wesentlicher Aspekt, der Waze Erfindung ist der Bitstrom. Bitstrom bedeutet alle Art von Informationen (Audio, Video, Text und Ton) werden in Nullen und Einsen umgewandelt, was letztlich die Muttersprache der Computer bzw. CPU ist, und metaphorisch die Muttersprache des Digitalzeitalters. Die Daten stammen von diversen Sensoren und Geräten.

Das Internet ist „ebenfalls ganz offensichtlich eine Kombination aus dem viel älterem TCP/IP-Datenübertragungsnetz“ und HTML einer Markup-Language die dafür sorgt das Inhalte im Web wie z.B. dieser Blog in strukturierter Form angezeigt werden. Diese Technologien waren die Grundlage weiterer Erfindungen, wie z.B. Facebook und WordPress.

Watson und Jeopardy

Der Leistungsfähig IBM Computer Watson, gewann im Jahre 2011 gegen die beiden ehemaligen Jeopardy Champions Brad Rutter and Ken Jennings. In den vergangenen Jahren unternahm IBM viele Anstrengungen Watson weiter zu entwickeln, bzw. ihn lernen zu lassen. Das Ziel, aus Watson soll unter anderem eines Tages „Dr. Watson“ werden. Konkret bedeutet das, man füttert Watson mit einer großen Menge an medizinischen Informationen. Auf diese Grundlage erstellt „Dr. Watson“ anhand von Untersuchungsergebnisse eine Diagnose. Im Fall „Dr.Watson“ geht es nicht darum Ärzte durch Computer zu ersetzen, sondern Ärzten besser Möglichkeiten an die Hand zu geben die richtige Entscheidung zu treffen. Das der Computer den Menschen nicht ersetzen soll gilt aber nicht für alle Berufe und Tätigkeiten.

Julia KirbyThomas H. Davenport Beschreiben in der Harvard Business Review sehr eindrucksvoll welche Jobs in den kommenden Jahren wahrscheinlich der Automatisierung zum Opfer fallen werden  https://hbr.org/2016/06/the-knowledge-jobs-most-likely-to-be-automated

Wie kann man Wirtschaftskraft und Wirtschaftswachstum im Digitalzeitalter erfassen

Eine gängige Kennzahl für die Wirtschaftskraft eines Landes ist das Bruttoinlandsproduktes (BIP) der „Gesamtwert aller Güter, d. h. Waren und Dienstleistungen, an, die innerhalb eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft als Endprodukte hergestellt wurden, nach Abzug aller Vorleistungen.“

Das Achte Kapitel befasst sich mit dem Zusammenhang von BIP und Digitalisierung. Der Krengedanke des Kapitels, ist das sich durch die Digitalisierung bestimmte Angebote wie z.B. Musik, Film/Video, Fotos, Nachrichten quantitativ und teilweise auch qualitativ extrem gesteigert haben, dieses aber gleichzeitig mit einem Bedeutungsverlust für das BIP einherging. Andres formuliert, es geht um das Auseinanderdriften von Wert und Preis, bei einem stetig wachsenden Angebot.

Mit einem einfachen Smartphone und einer App für eine Musikstreaming Plattform, hat jeder der möchte Zugang zu mehr Musik als jeder Plattenladen um die Ecke, dazu sind die Kosten mit ca. 10 Euro sehr gering. Wenn wir Fotos machen und diese über unser Handy oder Soziale Netzwerke mit anderen Teilen sind die Kosten dafür ebenfalls sehr gering. Ähnlich verhält es sich mit Wikipedia im Vergleich zum Brockhaus.

Nur weil viele digitale Dienste sehr günstig bzw. nahezu kostenlos uns zur Verfügung stehen, heißt das noch lange nicht das sie keinen Wert für uns haben. Es entsteht also ein Paradoxon, das digitale Dienstleistungen unseren Alltag bereichern, dieses aber die Wirtschaftsleistung schrumpfen lässt. Es ist also offensichtlich, dass wir im zweiten Maschinenzeitalter, auch neue Maßzahlen und Konzepten brauchen werden um Wirtschaftsleitung und Fortschritt adäquat abzubilden. „Wer auf die falschen Barometer schaut, trifft die falschen Entscheidungen und erhält die falschen Ergebnisse.“


Von Kodak zu Instagram

 

Disruption durch Digitalisierung und wie sich alte Kapitalisten von neuen unterscheiden

George Eastman

Ein Team von 15 Leuten entwickelte die App Instagram, welche in kürzester Zeit von 130 Millionen Menschen genutzt wurde. Nach 15 Monaten wurde die Firma an Facebook für 1 Milliarde US Dollar verkauft. Dem gegenüber steht die Firma Kodak welche zwischenzeitlich mal um die 145.000 Angestellte hatte, ein Großteil davon in Rochester New York.

Dazu Tausende von Angestellten die für Zulieferer von Kodak gearbeitet haben. Sicherlich wurde der Gründer von Kodak George Eastman durch seine Firma und seine Angestellten ein reicher Mann. Über 130 Jahre lang war Kodak aber auch für Generationen der amerikanischen Mittelschicht ein wichtiger Arbeitgeber, auch ihr Wohlstand beruhte auf dem Erfolg von Kodak und dem Geschick von George Eastman. Einige Monate bevor Facebook Instagram kaufte, meldete Kodak Insolvenz an.

Noch nie war Fotografieren so populär wie heute und noch nie hatten so viele Menschen eine Kamera ständig bei sich, meisten als Bestandteil ihres Handys. Millionen Fotos werden täglich in sozialen Netzwerken hochgeladen oder via Smartphone verschickt. Dies alles zu verschwindend geringen Kosten. Da diese Fotos alle digital sind, werden die Hunderttausend die eins in der Fotoindustrie Papier und Chemikalien hergestellt haben, im Digitalzeitalter nicht mehr benötigt. Dieses Beispiel von Kodak und Instagram steht zum einen exemplarisch für den Digitalem Wandel und wie er Industrien verändert.  Zugleich zeigt aber auch wie durch die Digitalisierung Einkommen und Wohlstand anders Verteilt werden. Facebook und Instagram benötigen nur einen Bruchteil von Mitarbeitern um Milliarden von „Kodak-Momenten“ Weltweit jederzeit zur Verfügung zu stellen. Zugleich ist der Marktwert von Facebook ein vielfaches von dem was Kodak zu seinen besten Zeiten einmal wert gewesen ist. Bis zum heutigen Tag sind 7 Menschen durch Facebook zu Milliardären geworden, ihr Vermögen ist in etwas das 10-fache von dem was George Eastman seinerzeit sein Eigen nennen konnte.  Dieses Phänomen, das eine kleine Gruppe in relativ kurzer Zeit sehr Vermögen wird, ist keine Ausnahme die auf Facebook und die Fotoindustrie beschränkt ist, sondern ein Phänomen das auf sehr viele Tech-Firmen zutrifft.